News

24.09.2018 - wortschatz-blog.de

Ferienzeit = Wortschatzzeit

Fotolia #231887 | Urheber: jeancliclacWenn wir unterrichtsfreie Zeit haben und uns nicht im stressigen Schulalltag befinden, warum erleben wir unsere Unterrichtssprache nicht auch vor Ort? So nutze ich die Realbegegnung und erweitere oder reaktiviere meinen eigenen Französisch-Wortschatz in entspannter Atmosphäre. Besonders in den langen Sommerferien kann es sein, dass der eigene fremdsprachliche Wortschatz ein wenig einrostet. Diese Erfahrung habe ich auch gemacht: Nach Schulbeginn benötigte ich in den vergangenen Jahren mitunter einige Zeit, um mich wieder ans Französischsprechen zu gewöhnen. Ich durchlebte quasi das Gleiche wie meine Schülerinnen und Schüler. Ich habe dann beschlossen, dass ich auch in den Ferien meinen Wortschatz erweitern und nicht „vergessen“ möchte. Das sollte aber nicht im Fokus der freien Zeit stehen, sondern am besten en passant und in Verknüpfung mit konkreten Situation vonstatten gehen. Es war somit dann beschlossene Sache, dass ich mindestens eine Woche in den Sommerferien in einem frankophonen Land verbringe – in den anderen Ferien habe ich ja schon durch die Korrektur diverse sprachliche Berührungspunkte. Die letzten drei Jahre habe ich in den langen Ferien dann entweder in Südfrankreich oder auf der Antillen-Insel Saint Martin meinen Urlaub verbracht. Selbstverständlich verfügt man als Lehrkraft über ein breites Spektrum an unterschiedlichen Wortfeldern. Trotzdem gewinne ich im Urlaub oft den Eindruck, dass bestimmte Wörter zwar im Alltag der Muttersprachler häufig fallen, im Unterricht aber eher eine sekundäre Rolle spielen. Alltagssituationen und ihre Vorteile
Nun möchte ich von zwei Situationen erzählen, in denen ich prägnant meinen aktiven Wortschatz im Urlaub genau um solche Wörter erweitert oder sie reaktiviert habe. Restaurant-Wortschatz Auch nach Jahren des Studiums und Lehrens finde ich immer wieder Speisekarten oder auch die Namen der jeweiligen Lokale interessant. Egal, ob es ein schickes Restaurant oder ein einfacher Imbiss ist, Anregungen, um über Wortschatz nachzudenken, findet man einfach überall! Beim Betrachten einer Speisekarte oder des Restaurantnamens fallen mir stets Begrifflichkeiten auf, deren Bedeutung sich auch mit anderen Ausdrücken aus der gleichen Wortfamilie verbinden lässt. Nehmen wir das Beispiel des Burger-Restaurants L'Atelier Burger, das ich dieses Jahr in Saint-Tropez besucht habe. Der Leitspruch lautet Saveurs & Qualité. Als ich den dieses Motto gelesen habe, kam mir allerdings direkt der Ausdruck sans saveur, also „geschmacklos“, in den Sinn. Das hatte aber nichts mit dem Imbiss an sich zu tun! Vielmehr ging es um eine Aussage, die ich einige Tage zuvor beim Flanieren durch die kleinen Gassen von Saint-Tropez gehört habe: C’est sans saveur! – "Das ist geschmacklos!". An dieser Stelle sei aber betont, dass ich den konkreten Bezug des Ausdruckes nicht lokalisieren konnte. [caption id="attachment_3244" align="aligncenter" width="640"] Schild des Burger-Restaurants Saveurs & Qualité[/caption] Sightseeing-Vokabeln Eine besonders interessante Möglichkeit der Wortschatzerweiterung bzw. -reaktivierung finde ich häufig auf kulturellen Entdeckungstouren. So war ich in diesem Sommer in Saint-Tropez im Musée de la Gendarmerie et du Cinéma. Darin konnte man Informationstafeln lesen, interaktive Entdeckungstouren durch das ehemalige Gendarmerie-Gebäude machen und sich Filmausschnitte mit Louis de Funès anschauen. All diese digitalen und analogen Medien waren tolle Gelegenheiten, dass ich mich aktiv, aber nicht verkrampft, mit dem spezifischen Wortschatz der Gendarmerie-Historie und des Kinos auseinandersetzte. [caption id="attachment_3245" align="aligncenter" width="640"] Schild im Musée de la Gendarmerie et du Cinéma in St. Tropez[/caption] [caption id="attachment_3246" align="aligncenter" width="480"] Die berühmten Gendarm-Filme mit Louis de Funès dürfen im Museum in St. Tropez natürlich nicht fehlen.[/caption] Auch die Schülerinnen und Schüler profitieren
Natürlich ist die Realbegegnung im Ausland eine Art der Wortschatzerweiterung bzw. -reaktivierung, die vergleichsweise kostspielig ist. Dennoch sollte man den Mehrwert solcher Reisen nicht unterschätzen. Originalmaterial, wie zum Beispiel Fotos und Prospekte, setze ich gerne im Unterricht ein, um einen authentischen Lernkontext zu schaffen. Auf diese Weise ziehe nicht nur ich einen Vorteil aus meinen Urlaubsreisen – auch meine Schülerinnen und Schüler profitieren davon.   Beitragsbild: Fotolia #231887 | Urheber: jeancliclac

28.08.2018 - wortschatz-blog.de

Lernen fürs Leben: Verknüpfungen sind alles

Wortschatz und Grammatik verbinden und visualisieren
Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur. Bis heute kann ich den ersten Satz aus Cäsars Bellum Gallicum auswendig und erinnere mich noch genau an die Lateinstunde, in der ich die Zeile aufsagen musste. Gallien ist im Ganzen in drei Teile geteilt, von denen den einen die Belgier bewohnen, den zweiten die Aquitanier und den dritten die, welche in ihrer eigenen Sprache Kelten, in unserer Gallier heißen. Gut verknüpftes Wissen wird im Langzeitgedächtnis gespeichert und ist im besten Fall ein Leben lang abrufbar. Genau diese Langzeitspeicherung ist das erklärte Ziel einer jeden Unterrichtsstunde. Die Schülerinnen und Schülern lernen nicht nur für 45 Minuten, sondern fürs Leben. Doch wie gelingt das? Texte werden nicht nur übersetzt, Vokabeln nicht nur auswendig gelernt. Es geht vielmehr darum, die lateinischen Vokabeln und die Grammatik in verschiedenen Kontexten zu nutzen und so im Gedächtnis zu verankern. Wie eine solche Verknüpfung von Vokabeln und Grammatik mit Hilfe des elektronischen Wörterbuches gelingen kann, werde ich in diesem Blogbeitrag erklären. Als Beispiel nutze ich hierzu die Lektion 12 aus dem Lehrbuch Prima Nova vom C.C. Buchner Verlag. In dieser Lektion wird der Accusativus cum Infinitivo (kurz „AcI“) eingeführt. Diese Konstruktion kommt im Lateinischen sehr häufig vor und wird als Nebensatz übersetzt, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht als solcher erkennbar ist. Umso entscheidender ist es, dass die Schülerinnen und Schüler die entsprechenden Grammatikregeln und passenden Vokabeln sicher beherrschen. Der AcI wird durch spezielle Verben ausgelöst. Sie heißen auch „Kopfverben“, da man seinen Geist braucht, um zu glauben, zu wissen, etwas wahrzunehmen, Gefühle zu äußern und sich mitzuteilen. Den AcI nach unpersönlichen Ausdrücken wie zum Beispiel constat (es steht fest) oder iuvat (es macht Freude) nehme ich noch dazu. Um eine Übersicht über die AcI auslösenden Kopfverben zu erstellen, nutze ich im Unterricht eine Mindmap.Im Lektionstext 12 aus dem Lehrbuch Prima Nova geht es um den Helden Horatius Cocles. Mit nur einer Handvoll Männer verteidigte er die strategisch wichtige Brücke Pons Sublicius gegen die Etrusker und beschützte damit Rom vor seinen mächtigen Feinden. Die Zeilen 18 bis 24 dienen mir als Beispiel: Horatio confidunt, parent, pontem rescindere instituunt. Horatium autem hostes gladio petere et cum hostibus pugnare video. Iam hostes Horatium necavisse puto. Repente autem Horatium de ponte in aquas Tiberis desilire video. Et statim pons corruit. Tusci in ripa remanent. Horatius autem per aquas urbem petit. Tiberim deum Horatio et comitibus adfuisse constat. An diesem Abschnitt möchte ich zeigen, welche Schritte im gesamten Lektionstext durchgeführt werden können. Die Schülerinnen und Schüler bekommen den Auftrag, im Text nach dem Accusativus cum Infinitivo zu suchen. Die Konstruktion sollte dafür natürlich ausführlich besprochen und geübt worden sein. Ebenso sollte ein einheitliches Verfahren zur Markierung im Text abgesprochen worden sein. Ich habe hier den Akkusativ und den Infinitiv mit einer Klammer verbunden, um deutlich zu machen, welche Wörter zum AcI gehören: Horatio confidunt, parent, pontem rescindere instituunt. (Horatium autem hostes gladio petere et cum hostibus pugnare) video. Iam (hostes Horatium necavisse) puto. Repente autem (Horatium de ponte in aquas Tiberis desilire) video. Et statim pons corruit. Tusci in ripa remanent. Horatius autem per aquas urbem petit. (Tiberim deum Horatio et comitibus adfuisse) constat. Wenn sich die Schüler ans Werk machen, ist es wichtig, dass nicht nur der Accusativus cum Infinitivo markiert wird, sondern auch das ihn auslösende Verb oder der unpersönliche Ausdruck. Diese werden dann in die Mindmap übertragen. Als Hilfe sollten – wenn vorhanden – elektronische Wörterbücher bereitgestellt werden. So haben es Schülerinnen und Schüler leichter, die richtigen Formen in die Mindmap zu übertragen. Auf diese Weise erweitern sie nicht nur ihren lateinischen Wortschatz, sondern erstellen gleichzeitig auch eine Übersicht für die AcI auslösenden Verben. Auf dieses Wissen können sie während ihrer gesamten Schulzeit zurückgreifen, denn die Übersicht kann im weiteren Unterricht um die entsprechenden Kopfverben ergänzt werden.Durch die verschiedenen Schritte des Markierens, des Übertragens in die Mindmap und letztendlich auch durch die finale Übersetzung und Bearbeitung des Textes werden die Wörter in verschiedenen Kontexten genutzt und können sich so längerfristig im Gedächtnis verankern.   Beitragsbild: fotolia #51347283 | Urheber: thorwaldhoffmann

26.07.2018 - wortschatz-blog.de

1, 2, 3, Hitzefrei … oder doch nicht?

Die Hitzewelle hat Europa fest im Griff: Während vielerorts Kinder und Erwachsene die hochsommerlichen Temperaturen in den Feriengebieten genießen, wünscht sich der arbeitende Teil bei 30 Grad plus nur noch „hitzefrei“. Wie heißt das eigentlich in anderen europäischen Ländern und welche Regelungen gibt es dort? Das wollten wir wissen und haben etwas recherchiert. Die Franzosen sprechen zum Beispiel von „ne pas avoir classe en raison de la canicule“ und die Briten sagen „to have time off because of the weather“. Hier noch ein paar weitere Beispiele: hitzefrei bekommen/haben Großbritannien to have time off because of the weather Rumänien a fi scutit de școală din cauza caniculei Frankreich ne pas avoir classe en raison de la canicule Russland свободный от занятий из-за жары Italien avere vacanza per il gran caldo Schweden ha skollov på grund av värmen Kroatien oslobođen obuke zbog vrućine Slowakei imeti prosto zaradi vročine Niederlande vrij wegens hitte Spanien tener libre de clase por el calor Polen mieć wolne z powodu upałów Türkei çocukların okulu sıcaktan tatil olması Genauso unterschiedlich wie die Schreibweise ist auch der Umgang mit Hitzefrei in Europa. Die französische Regierung rät der Bevölkerung, keine anstrengende Arbeit auszuführen, sich regelmäßig nach Angehörigen zu erkundigen und den Körper frisch zu halten. In Ungarn spricht man ab 27 Grad Außentemperatur von der höchsten Warnstufe. Die Medien sind dazu angehalten, die Bevölkerung vor der Hitze zu warnen. In Zypern andererseits gilt eine Hitzewelle erst ab 40 Grad Außentemperatur. Die Arbeit draußen wird dann eingestellt. In Deutschland wird ein Ventilator ab 30 Grad Raumtemperatur empfohlen, wobei die Temperatur die 26-Grad-Grenze nicht überschreiten sollte. Wenn möglich empfiehlt es sich, die Arbeitszeiten anzupassen und die frühen Morgenstunden oder den Abend zu nutzen. Die Italiener können sich bei zu starker Hitze weigern, am Arbeitsplatz zu erscheinen. Trotz der Unterschiede finden sich aber auch Ähnlichkeiten im Umgang mit der Hitze. Alle Arbeitgeber sind dazu angehalten, den Arbeitnehmern ausreichend Getränke zur Verfügung zu stellen. Außerdem gilt besondere Vorsicht bei Alten, Kranken, Schwangeren und Kindern. Sie sind besonders gefährdet bei der Hitze. In unserer Redaktion in Hamburg wissen wir uns auch zu helfen: mit kühlen Tüchern, Ventilatoren, viel Obst und eiskalten Getränken. Aber wenn es noch Tage so weiter gehen sollte, denken wir definitiv über „hitzefrei“ nach. Beitragsbild: Fotolia #200919047 | Urheber: John Smith

Termine

Studien

EX-word Videos