Fringe Theatre Festival Victoria„Du hast eine Reise nach Kanada gewonnen? Unglaublich!“
Das war die erste Reaktion von allen, denen ich von meinem Gewinn bei einem ZEIT Campus-Preisausschreiben erzählte und so hatte auch ich selbst zuerst reagiert. Richtig glauben konnte ich es erst, als ich die von CASIO spendierten Flugtickets in den Händen hielt. Es stand mir tatsächlich ein vierwöchiger Aufenthalt in Victoria/British Columbia bevor, wo ich für ein Theaterfestival arbeiten würde. Dazu bekam ich freie Unterkunft und Verpflegung – gesponsert von dem Veranstalter Real Gap – sowie ein CASIO EX-word EW-G300. Awesome! Es musste nur noch gepackt werden.
Angekommen auf kanadischem Boden wurde ich im Flughafen Toronto mit einer über 30-minütigen Befragung bei der Immigrationsbehörde begrüßt – warum ich hier sei, wie lange ich bleiben und wo ich wohnen würde? Was ist das für ein Festival, für das ich arbeite, was genau werde ich tun und werde ich bezahlt? Viele Fragen, die ich gar nicht alle genau beantworten konnte. Noch stand ich am Beginn meines Aufenthalts.
Das Verhör endete zum Glück gerade rechtzeitig, ich eilte schnell vorbei am „Welcome to Canada“-Schild zu meinem fünfstündigen Anschlussflug nach British Columbia. Fünf Stunden Inlandsflug – Kanada ist tatsächlich ein riesiges Land. Victoria, immerhin Hauptstadt der kanadischen Provinz BC, kam mir allerdings wieder recht klein vor; mit dem Auto quer durch die Innenstadt zu fahren dauerte kaum eine halbe Stunde. Soll das alles gewesen sein, fragte ich mich anfangs, später wurde mit klar: Victoria mag klein sein, doch es hat einiges zu bieten. Meine Unterkunft in Vic West war bescheiden, aber die Gastfamilie und die anderen Mädels, die zu der Zeit auch in dem Haus wohnten – zwei Koreanerinnen und eine Japanerin – waren sehr nett. Wir verstanden uns alle auf Anhieb gut, obwohl wir uns teilweise sprachlich kaum verständigen konnten. Alle drei waren zum Englischlernen nach Kanada gekommen und hatten vorher noch gar keinen oder wenig Englisch-Unterricht gehabt. Da gerieten sie verständlicherweise im Gespräch oft ins Stocken, weil die richtigen Ausdrücke fehlten. Doch in solchen Situationen hatte meine japanische Zimmernachbarin genau wie ich einen kleinen Helfer parat: ihr elektronisches Wörterbuch, das sie immer bei sich hatte – ein EX-word von CASIO!
Die ersten Kanadier lernte ich im Büro kennen. Doch auch hier herrschte Internationalität: Eine meiner Kolleginnen war Australierin, eine andere Neuseeländerin (interessanterweise aber ursprünglich aus Polen – our polish Kiwi) und kurz vor Beginn des Festivals kam noch eine Britin dazu. Eine schöne Kombination und wie sich herausstellte: das beste Team, das man sich vorstellen kann! Meine Arbeit in der Zeit vor und während des Festivals war spannend und vielseitig, ich habe viele interessante Menschen und ganz nebenbei auch noch Victoria gut kennengelernt. Das Festival selbst erforderte den vollen Einsatz aller Mitarbeiter und der vielen Helfer. Neben dem festen Team halfen über 250 Freiwillige mit. Natürlich blieb der eine oder andere anstrengende Moment nicht aus, doch jeder freute sich, dabei zu sein und das Gute mitzunehmen, vor allem natürlich so viele Aufführungen bzw. Shows wie möglich. “At least one show every day“ war meine persönliche Regel und wir haben es tatsächlich geschafft, jeden Abend nach der Arbeit noch ein Stück zu sehen. Fringe Time ist einfach eine besondere Zeit, jedenfalls keine Zeit für Müdigkeit. (Weißt du eigentlich wofür 'Fringe' steht, lieber Leser? Wenn nicht, frag dein EX-word.)
Leider gehen aber gerade schöne Zeiten oft viel zu schnell vorüber. Obwohl der Rückflug verschoben und mein Aufenthalt verlängert werden konnte, kam mit dem ersten Regen im September das Abschiednehmen. “You have to come back“, heißt es überall auf der herzzerreißend schönen selbstgebastelten Karte, die mir an meinem Abschiedsabend überreicht wurde – und womöglich werde ich genau das tun und wieder kommen, nächsten Sommer zum nächsten Victoria Fringe Theatre Festival. |